Der Deutsche Bundestag hat grĂŒnes Licht fĂŒr die EinfĂŒhrung eines Sondervermögens zur StĂ€rkung der Bundeswehr gegeben. Das Sondervermögen sei âdie richtige Antwort auf die Zeitenwendeâ, hatte Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner Haushaltsrede am Mittwoch betont. FĂŒr die konstruktiven Verhandlungen ĂŒber Parteigrenzen hinweg bedankte sich Scholz bei allen Beteiligten.
Warum ist ein Sondervermögen fĂŒr die Bundeswehr nötig?
Der völkerrechtswidrige Angriff Russlands auf die Ukraine erschĂŒttert die Grundlagen unserer Friedensordnung und ist eine sicherheitspolitische ZĂ€sur in Europa. Um Freiheit und Demokratie in Deutschland und bei unseren BĂŒndnispartnern zuverlĂ€ssig schĂŒtzen zu können, brauchen wir eine leistungsfĂ€hige, gut ausgestattete Bundeswehr. Um zĂŒgig investieren zu können, hat die Bundesregierung ein einmaliges Sondervermögen im Umfang von 100 Milliarden Euro auf den Weg gebracht.
Was ist das Ziel des Sondervermögens?
Ziel des zweckgebundenen Sondervermögens ist es, bestehende FĂ€higkeiten bei der Bundeswehr zu erhalten und notwendige Investitionen in unsere Verteidigungs- und BĂŒndnisfĂ€higkeit tĂ€tigen zu können. Es soll dazu beitragen, die bedarfsgerechte Ausstattung der Bundeswehr schneller zu beschaffen, als dies im ĂŒblichen jĂ€hrlichen Haushaltsrhythmus möglich ist. ZusĂ€tzlich zum Verteidigungshaushalt sollen hieraus in enger Abstimmung mit dem Bundestag festgelegte GroĂvorhaben der Bundeswehr finanziert werden. âUnser Ziel ist eine leistungsfĂ€hige und fortschrittliche Bundeswehr, eine Bundeswehr, die ihren Kernauftrag, die Landes- und BĂŒndnisverteidigung, erfĂŒllen kann, weil sie ausreichend ausgestattet istâ, so Kanzler Scholz.
WofĂŒr wird das Geld ausgegeben?
Ein wesentlicher Teil des Geldes wird fĂŒr den Kauf von GroĂgerĂ€ten verwendet â sie sind im Wirtschaftsplan zum Sondervermögen konkret benannt. Mit 33,4 Milliarden Euro werden Beschaffungen im Bereich der Luftwaffe der gröĂte Ausgabeposten der nĂ€chsten Jahre sein. Weitere Vorhaben sollen unter anderem die Entwicklung und der Kauf des Eurofighter ECR sowie der Kauf von F-35 als Nachfolger des Tornados sein. Der Verteidigungsbereich âLandâ erhĂ€lt laut Wirtschaftsplan 16,6 Milliarden Euro, auf den Bereich âSeeâ entfallen 8,8 Milliarden Euro. 20,8 Milliarden Euro können fĂŒr Beschaffungen im Komplex âFĂŒhrungsfĂ€higkeit und Digitalisierungâ verwendet werden.
Wie wird das Sondervermögen finanziert?
Das Sondervermögen wird mit einer eigenen KreditermĂ€chtigung in Höhe von einmalig 100 Milliarden Euro ausgestattet. Es erhĂ€lt keine Zuweisung aus dem Bundeshaushalt und wird getrennt von diesem verwaltet. Die Mittel des Sondervermögens stehen ĂŒberjĂ€hrig zur VerfĂŒgung und können bedarfsgerecht genutzt werden. âMit dem Sondervermögen statten wir unsere StreitkrĂ€fte wieder so aus, dass sie ihren Kernauftrag in vollem Umfang erfĂŒllen können: unser Land und unsere BĂŒndnispartner zu verteidigen. Wir sorgen fĂŒr eine voll einsatzbereite Bundeswehrâ, betonte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht.
Warum muss das Grundgesetz geÀndert werden?
Die Ănderung des Artikels 87a des Grundgesetzes schafft die verfassungsrechtliche Grundlage fĂŒr die Errichtung dieses Sondervermögens. Der Bund wird ermĂ€chtigt, zur StĂ€rkung der BĂŒndnis- und VerteidigungsfĂ€higkeit ein Sondervermögen mit eigener KreditermĂ€chtigung in Höhe von einmalig bis zu 100 Milliarden Euro zu errichten. Die einmalige KreditermĂ€chtigung wird von der Kreditobergrenze der Schuldenregel des Grundgesetzes ausgenommen. Mit der GrundgesetzĂ€nderung wird die Zweckbindung des Sondervermögens zugunsten der StĂ€rkung der BĂŒndnis- und VerteidigungsfĂ€higkeit verfassungsrechtlich abgesichert. Das Sondervermögen selbst wird durch einfaches Bundesgesetz errichtet. Der Deutsche Bundestag hat beiden VorgĂ€ngen zugestimmt.
Welche Auswirkungen hat das Sondervermögen auf die Nato-Quote?
Die zusĂ€tzlichen Investitionen aus dem Sondervermögen ermöglichen der Bundesregierung, insgesamt zwei Prozent des BIP in die Verteidigung zu investieren und damit die Nato-Vorgaben zu erfĂŒllen. âWir streben dieses Ziel nicht nur an, weil wir bei unseren Freunden und Alliierten im Wort stehenâ, so Kanzler Scholz in seiner RegierungserklĂ€rung nach Beginn des russischen Angriffskriegs, âwir tun dies auch fĂŒr uns, fĂŒr unsere eigene Sicherheit.â
Foto: Kampfpanzer rollen ĂŒber den Ăbungsplatz in Pabrade wĂ€hrend der GefechtsĂŒbung Iron Wolf in Litauen.
(c) Bundeswehr/Marco Dorow