BARMER-Pflegereport 2024: Pflege dauert immer lÀnger und wird deutlich teurer

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Berlin, 18. November 2024 – Menschen in Deutschland sind immer lĂ€nger pflegebedĂŒrftig. In den kommenden Jahren wird sich die durchschnittliche Pflegedauer nahezu verdoppeln. Zudem schnellen die Ausgaben je pflegebedĂŒrftiger Person im Schnitt um 50 Prozent in die Höhe. Diese brisanten Erkenntnisse gehen aus dem aktuellen Pflegereport der BARMER hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. „Die Soziale Pflegeversicherung ĂŒberschreitet bereits jetzt ihre finanzielle Belastungsgrenze.

Die Bundesregierung darf die Millionen PflegebedĂŒrftigen und deren Angehörige nicht im Stich lassen und muss endlich fĂŒr finanzielle Entlastung sorgen. Dazu gehört an erster Stelle die umgehende Befreiung der Sozialen Pflegeversicherung von versicherungsfremden Leistungen, so wie es die ehemalige Ampelregierung in ihrem Koalitionsvertrag vorgesehen hatte“, fordert Prof. Dr. med. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER. Dabei sollte eine neue Bundesregierung umgehend dafĂŒr sorgen, dass vor allem ausstehende Pandemiekosten von mehr als fĂŒnf Milliarden Euro und die RentenversicherungsbeitrĂ€ge fĂŒr pflegende Angehörige vollstĂ€ndig aus Steuermitteln erstattet beziehungsweise ĂŒbernommen werden. Zudem sollte die Ausbildungskostenumlage fĂŒr PflegekrĂ€fte aus Steuereinnahmen finanziert werden.

Durchschnittliche Pflegedauer verdoppelt sich beinahe

Laut Pflegereport wird sich die Pflegedauer in Deutschland dramatisch erhöhen. Bei kĂŒrzlich verstorbenen PflegebedĂŒrftigen lag sie noch bei durchschnittlich 3,9 Jahren. Bei aktuell pflegebedĂŒrftigen Menschen wird sie sich nach BARMER-Berechnungen im Schnitt mit 7,5 Jahre nahezu verdoppeln. „Durch die EinfĂŒhrung des neuen PflegebedĂŒrftigkeitsbegriffs im Jahr 2017 haben viele Menschen erstmals Leistungen der Pflegekassen erhalten, die diesen Anspruch vorher nicht gehabt hatten. Die Pflegedauer wurde dadurch erheblich verlĂ€ngert, und die Kosten wurden deutlich erhöht“, sagt Studienautor Prof. Dr. Heinz Rothgang von der UniversitĂ€t Bremen. KĂŒrzlich verstorbene PflegebedĂŒrftige hĂ€tten bei den Pflegekassen Leistungen im Wert von durchschnittlich 50.000 Euro beansprucht.

Bei den aktuell PflegebedĂŒrftigen wĂŒrden diese Kosten bei rund 76.000 Euro liegen. Dieser Anstieg resultiere vor allem aus dem vermehrten Pflegegeldbezug, der sich als ein zentraler Kostenblock von 13.100 Euro auf 30.300 Euro mehr als verdoppele. Der tatsĂ€chliche, kĂŒnftige Gesamtbetrag aller Leistungen könne sogar noch höher liegen als die prognostizierten 76.000 Euro, weil dieser Summe die Kosten fĂŒr Pflegeleistungen des Jahres 2023 zugrunde lĂ€gen. Die Inflation und mögliche weitere Preissteigerungen seien dabei noch nicht berĂŒcksichtigt.

Löhne in der Pflege ĂŒberproportional gestiegen

Wie aus dem Pflegereport weiter hervorgeht, herrscht aber nicht nur Reformbedarf in der Sozialen Pflegeversicherung aufgrund von lĂ€ngeren Pflegezeiten und immer mehr PflegebedĂŒrftigen. Auch die Eigenanteile der Betroffenen fĂŒr die stationĂ€re Pflege steigen weiter an, obwohl die Politik bereits kostendĂ€mpfende Maßnahmen zulasten der Sozialen Pflegeversicherung ergriffen hat. Allein in diesem Jahr kosten die gestaffelten ZuschlĂ€ge zu den Eigenanteilen die Pflegekassen rund sechs Milliarden Euro. Gleichwohl sind die Eigenanteile seit dem Jahr 2022 wieder deutlich gestiegen. Den höchsten Zuwachs gab es hierbei mit einem Plus von 8,3 Prozent im vierten Quartal 2022. „Die Versicherten könnten bei den Eigenanteilen aber auch entlastet werden, indem die BundeslĂ€nder die Investitionskosten fĂŒr die Infrastruktur der Pflegeheime stĂ€rker ĂŒbernehmen wĂŒrden“, sagt Rothgang. Ein Grund fĂŒr die wachsenden Eigenanteile seien gestiegene Löhne.

In der Altenpflege seien sie in den Jahren 2015 bis 2023 um 59 Prozent bei HilfskrĂ€ften und um 53 Prozent bei FachkrĂ€ften gestiegen. Das sei mehr als doppelt so viel wie bei allen BeschĂ€ftigten mit einem Plus von 23 Prozent. „Trotz höherer Löhne herrscht nach wie vor ein Mangel an Pflegefach- und PflegeassistenzkrĂ€ften vor. In Anbetracht von mehr pflegebedĂŒrftigen Personen und lĂ€ngeren Pflegezeiten wird der Bedarf kĂŒnftig weiter steigen und diese Problematik somit noch grĂ¶ĂŸer. Auf die Politik wartet eine Mammutaufgabe, die spĂ€testens eine neue Regierung nach der kommenden Bundestagswahl in Angriff nehmen muss“, sagt BARMER-Chef Straub.

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