Die Lebensmittelindustrie hat Lieferdienste, Kantinen und Restaurants erobert. Produktentwickler Sebastian Lege deckt auf, wie die Gastronomie mit Fertigprodukten trickst.
HĂŒhnerfrikassee, panierte Fischfilets, Mousse au Chocolat – oft werden Lieblingsgerichte in Restaurants oder Kantinen nicht mehr frisch gekocht. Immer hĂ€ufiger bekommen die GĂ€ste Fertigprodukte vorgesetzt, deren Rezeptur mit dem Original nichts mehr zu tun hat.
Als gelernter Koch weiĂ Sebastian Lege: Suppen bietet die Gastronomie besonders oft als Fertigprodukt an. Viele Betriebe kaufen Klassiker wie Champignoncremesuppe gleich eimerweise als Instantprodukt im GroĂhandel ein. Die Auswahl ist groĂ: Dr. Oetker, Maggi oder Knorr â sie alle wollen sich das GeschĂ€ft mit der Gastronomie nicht entgehen lassen. Produktentwickler Sebastian Lege fĂŒhrt vor, wie die Industrie eine Instant-Champignoncremesuppe herstellt und dabei nur minimale Mengen an Champignons verwendet.
Ein weiterer Klassiker der sogenannten Gemeinschaftsverpflegung ist HĂŒhnerfrikassee. Das beste Rezept dafĂŒr, da ist sich Sebastian Lege sicher, kennt seine Mutter Ute Lege. Beim gemeinsamen Kochen zeigt sich warum. Neben jeder Menge Zeit und Liebe steckt in einem klassischen HĂŒhnerfrikassee Ă la Ute Lege vor allem reichlich Huhn und viele weitere frische Zutaten. Sebastian Lege fĂŒhrt vor, dass die Lebensmittelindustrie bei ihrem Frikassee fĂŒr Gastronomiebetriebe statt frischer Sahne oft Milchpulver und Bindemittel einsetzt und beim Fleischanteil in vielen FĂ€llen gerade mal den Mindeststandard einhĂ€lt.
Auch bei paniertem Fisch bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher oft Industrieprodukte vorgesetzt, bei denen die Hersteller ganz schön tricksen mĂŒssen, um sie massenhaft zu Niedrigpreisen anbieten zu können. Sebastian Lege zeigt, dass viele Fischfilets in Wahrheit nicht aus einem StĂŒck bestehen, sondern aus vielen kleineren StĂŒcken zusammengesetzt sind. Die sind im Einkauf nĂ€mlich viel billiger als die GroĂen. Der Testeinkauf beim Lieferdienst zeigt: Auf ihrer Speisekarte verschweigen viele Betriebe, dass sie keine hochwertigen Filets aus ganzen StĂŒcken im Angebot haben, sondern nur die preiswerten ZusammengefĂŒgten.
Auch beim Dessert greifen viele Gastronomiebetriebe immer hĂ€ufiger zum gĂŒnstigen Fertigprodukt. Mousse au Chocolat ist eines von Sebastian Leges absoluten Favoriten. Bei einem der besten Chocolatiers Frankreichs lernt der Produktentwickler das Originalrezept kennen. Es besteht nur aus wenigen guten Zutaten. Damit die zu einer luftigen Mousse werden, braucht es Zeit, Handwerkskunst und viel Erfahrung. Die Gastronomie leidet aktuell unter akutem FachkrĂ€ftemangel. Das ist einer der GrĂŒnde, warum Mousse au Chocolat heute in vielen FĂ€llen nicht mehr selbst gemacht, sondern als Fertigprodukt eingekauft wird.
Foto Credit: ZDF und Guido Engels
Vorab
/ VideolÀnge: 43 min / Datum: 17.09.2024
/ Video verfĂŒgbar bis 17.09.2029