Politischer Stillstand gefÀhrdet Wachstum

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Die deutsche Wirtschaft dĂŒrfte sich auch in diesem Jahr kaum aus der Stagnation befreien, sollte es nicht bald gelingen, mit wirtschaftspolitischen Reformen die Standortprobleme in den Griff zu bekommen. Das ifo Institut erwartet dann ein kaum wahrnehmbares Wachstum von 0,4%. „Deutschland durchlĂ€uft die mit Abstand lĂ€ngste Stagnationsphase der Nachkriegsgeschichte. Auch im internationalen Vergleich fĂ€llt Deutschland deutlich ab“, sagt ifo Konjunkturchef Timo WollmershĂ€user (Foto).

Wenn nicht gegengesteuert wird, befĂŒrchten die ifo Forscher, dass Industrieunternehmen Produktion und Investitionen weiter ins Ausland verlagern. Das ProduktivitĂ€tswachstum wĂŒrde auch deshalb schwach bleiben, weil Wertschöpfung und BeschĂ€ftigung in hochproduktiven Industriezweigen durch Wertschöpfung in Dienstleistungsbereichen mit geringem ProduktivitĂ€tswachstum ersetzt wĂŒrde. Sollten aber die richtigen wirtschaftspolitischen Weichen zĂŒgig und verlĂ€sslich gestellt werden, wĂŒrden sich Investieren und Arbeiten in Deutschland wieder mehr lohnen, und damit könnte auch ein Wachstum von gut einem Prozent erreicht werden. Der Strukturwandel wĂŒrde nicht nur die alten Produktionstechnologien verschwinden, sondern auch neue im Verarbeitenden Gewerbe entstehen lassen.

Im Jahr 2024 war das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt nur wenig höher als im Jahr 2019 vor dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie. Damit tritt deutsche Wirtschaft seit nunmehr fĂŒnf Jahren auf der Stelle. Digitalisierung, Dekarbonisierung, Demografie und Deglobalisierung gehen mit strukturellen VerĂ€nderungen der deutschen Wirtschaft einher, die durch die Krisen der vergangenen Jahre spĂŒrbar beschleunigt wurden. Im internationalen Vergleich ist Deutschland von diesen VerĂ€nderungen besonders stark betroffen.

„Im Vergleich zu anderen Standorten weltweit sind die Belastungen der Unternehmen durch Steuern, BĂŒrokratie und Energiekosten hoch, die Erneuerung der Digital-, Energie- und Verkehrsinfrastruktur kommt langsamer voran und der FachkrĂ€ftemangel ist ausgeprĂ€gter“, sagt WollmershĂ€user. Daher habe die Industrie spĂŒrbar an WettbewerbsfĂ€higkeit verloren und sich der deutsche Warenexport immer mehr von der weltwirtschaftlichen Entwicklung entkoppelt. Investitionsentscheidungen fielen zu Ungunsten des Produktionsstandortes Deutschland aus. Zudem habe vor allem China bei der Produktion wichtiger Technologien, insbesondere im Fahrzeug- und Maschinenbau, aufgeholt und sich von der verlĂ€ngerten Werkbank der Welt zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten entwickelt. In der Folge verlören deutsche Unternehmen Weltmarktanteile bei Produkten, bei denen sie jahrzehntelang MarktfĂŒhrer waren, so der ifo Konjunkturchef.

Text/Foto: Timo WollmershÀuser (c) ifo Institut am 15. Januar 2025