Porsche Penske Motorsport erlebt schwierige 24 Stunden von Le Mans

Veröffentlicht in: Motorsport | 0

Der beste Porsche 963 hat die 24 Stunden von Le Mans 2023 auf Platz neun beendet. In einem ĂŒber weite Strecken sehr engen und intensiven Wettbewerb beim 100-jĂ€hrigen JubilĂ€um des Langstrecken-Klassikers war des Werksteam Porsche Penske Motorsport von Pech verfolgt.

Alle drei Hybrid-Prototypen wurden durch ZwischenfĂ€lle oder technische Defekte zurĂŒckgeworfen. Somit konnten sie mit dem ĂŒber 515 kW (700 PS) starken Porsche 963 nicht in den Kampf um den Gesamtsieg eingreifen. Auch das baugleiche Fahrzeug des Hertz Team Jota blieb nach einer starken Leistung unbelohnt. In der Kategorie GTE-Am fuhr der Porsche 911 RSR des Kundenteams GR Racing als Dritter auf das Siegerpodest.

Stuttgart. Vor 325.000 Zuschauern setzten sich die insgesamt vier Porsche 963 in der Startphase bestens in Szene. Bei wechselnden Bedingungen mit Sonne und teils krĂ€ftigen Regenschauern leisteten die Startnummern 5 und 75 von Porsche Penske Motorsport ebenso FĂŒhrungsarbeit wie die „Mighty 38″ vom Hertz Team Jota. ReifenschĂ€den, technische Defekte sowie UnfĂ€lle warfen jedoch alle Porsche-Rennwagen in der Topklasse Hypercar zurĂŒck. Die drei Werksfahrer Dane Cameron aus den USA, FrĂ©dĂ©ric Makowiecki aus Frankreich und Michael Christensen aus DĂ€nemark war am Steuer der Startnummer 5 auf Gesamtrang neun am Ende die bestplatzierte Porsche-Crew. Das Fahrzeug des Trios verbrachte in der Nacht fĂŒr die Reparatur des KĂŒhlsystems ĂŒber 20 Minuten an der Box und hatte anschließend mit dem Kampf um den Gesamtsieg nichts mehr zu tun. In der letzten Runde trug Christensen das Fahrzeug mit defektem Antriebsstrang förmlich ins Ziel.

In der Dunkelheit am Samstagabend war es der dritte 963 von Porsche Penske Motorsport, der sich im engen Kampf zwischen den 16 Hypercar-Fahrzeugen stark prĂ€sentierte. In HĂ€nden der Werkspiloten Nick Tandy (Großbritannien), Felipe Nasr (Brasilien) und Mathieu Jaminet (Frankreich) fuhr der Hybridrenner ĂŒber viele Runden an der Spitze. AnlĂ€sslich des JubilĂ€ums von Porsche Sportwagen trug er die Startnummer 75. Am spĂ€ten Abend um 22:44 Uhr folgte dann die ErnĂŒchterung: Jaminet blieb ohne Vortrieb auf der Strecke stehen. Mangelnder Benzindruck machte eine Weiterfahrt unmöglich – das vorzeitige Aus fĂŒr diese Mannschaft.

Am frĂŒhen Morgen war es schließlich die Startnummer 6, die fĂŒr Porsche die Fahnen im Wettbewerb um die PodestplĂ€tze hochhielt. Doch AndrĂ© Lotterer (Deutschland), KĂ©vin Estre (Frankreich) und Laurens Vanthoor aus Belgien landeten mit ihrem Porsche 963 mehrfach abseits der Strecke und zweimal sogar in den Barrieren. FĂ€llige Reparaturen an der Box dauerten ĂŒber 40 Minuten, eine weitere halbe Stunde verlor die Crew aufgrund eines notwendigen Wechsels der Hybridbatterie. Die Nummer 6 erreichte das Ziel auf Platz elf mit 22 Runden RĂŒckstand auf die Sieger.

„Es war ein enttĂ€uschendes Le Mans 2023. Wir hatten uns mehr vorgenommen“, bilanziert Thomas Laudenbach, Leiter Motorsport. „In diesem Projekt steckt unheimlich viel Arbeit. Trotz des nicht zufriedenstellenden Ergebnisses möchte ich allen Mitarbeitern in Weissach, bei Porsche Penske Motorsport und allen Partnern meinen Dank aussprechen. Es gab verschiedene GrĂŒnde, warum wir heute nicht erfolgreich waren. Diese Themen schauen wir uns nun genau an und werden weitere Fortschritte machen. Daher blicke ich positiv in die Zukunft. Gratulation an die Sieger von Ferrari, die einen tollen Job abgeliefert haben.“

„Als es mit den ZwischenfĂ€llen mal losging, hörte es gefĂŒhlt leider nicht mehr auf“, beschreibt Urs Kuratle seinen Eindruck. Der Leiter Werksmotorsport LMDh ergĂ€nzt: „Unser Tempo war zu Beginn sehr gut. Das macht es umso schmerzvoller. Ohne SchĂ€den wĂ€ren wir weit vorn dabei gewesen. NĂ€chstes Jahr kommen wir stĂ€rker zurĂŒck. Gratulation an Ferrari.“

„FĂŒr das Team war es richtig harte Arbeit“, schildert Jonathan Diuguid, Leitender Direktor Porsche Penske Motorsport. „Wir haben zwar NackenschlĂ€ge erlitten, aber wir nehmen auch Positives mit. Wir haben uns allen Herausforderungen gestellt und unsere Autos wann immer möglich mit hohem Aufwand wieder auf die Strecke gebracht. Das war ein wichtiges Signal und eine starke Leistung unserer Crew.“

Hertz Team Jota beeindruckt mit FĂŒhrungsrunden und starken Rundenzeiten
Der Porsche 963 vom Hertz Team Jota ĂŒberzeugte in der ersten Phase des Rennens. Werksfahrer AntĂłnio FĂ©lix da Costa wuchtete die Startnummer #38 des britischen Kundenteams innerhalb kurzer Zeit von Gesamtrang 60 in die Top 10. Der Chinese Yifei Ye zĂŒndete anschließend ein regelrechtes Feuerwerk. Gegen 21:00 Uhr am Samstagabend setzte sich der von Porsche Motorsport Asia-Pacific geförderte Nachwuchspilot sogar an die Spitze. Wenig spĂ€ter folgte jedoch der erste RĂŒckschlag: Unfall in den schnellen Porsche-Kurven. Die fĂ€llige Reparatur dauerte ĂŒber 40 Minuten, auch der Austausch eines defekten FIA-Sensors zur Messung des Drehmoments an der Hinterachse kostete Zeit. Ein weiterer Unfall am Sonntagvormittag brachte der Mannschaft noch mehr Arbeit ein und vergrĂ¶ĂŸerte den RĂŒckstand.

Am Ende fuhr der erste Kunden-Porsche 963 in der FIA WEC, den sich FĂ©lix da Costa und Ye mit dem Briten Will Stevens teilen, auf Platz 13 der Hypercar-Klasse ins Ziel. „Nach einem schwierigen Start aufgrund der verpassten Qualifikation haben wir eine starke Vorstellung abgeliefert“, bilanziert Teamchef Dieter Gass. „Wir haben es sehr genossen, in den ersten viereinhalb Stunden ganz vorne im Feld und somit um den Gesamtsieg in Le Mans zu kĂ€mpfen. Die ZwischenfĂ€lle haben uns zurĂŒckgeworfen, aber dennoch nehmen wir viel Positives mit. Die Performance auf der Strecke lĂ€sst uns zuversichtlich und maximal motiviert auf die weiteren Saisonrennen blicken.“

GTE-Am-Klasse letztmals in Le Mans: GR Racing sichert sich Podestplatz
GlĂŒck und Pech lagen auch in der GTE-Am-Klasse nahe beieinander. Nach zurĂŒckhaltenden Leistungen in der Qualifikation drĂŒckten die acht Porsche 911 RSR von fĂŒnf Kundenteams der FrĂŒhphase des Rennens ihren Stempel auf. Phasenweise konnten sich fĂŒnf der rund 478 kW (515 PS) starken Neunelfer geschlossen an der Spitze der Kategorie behaupten. Anschließend warfen UnfĂ€lle alle drei Autos von Proton Competition aus dem Rennen – unter anderem die Startnummer 911 mit Hollywood-Star Michael Fassbender aus Irland. Auch das Schwesterauto unter der Nennung von Dempsey-Proton Racing und der 911 RSR von Iron Lynx schieden nach ZwischenfĂ€llen vorzeitig aus.

Eine makellose Fahrt erlebten die Piloten des Porsche 911 RSR von GR Racing. Der Italiener Riccardo Pera und die beiden Briten Michael Wainwright und Ben Barker hielten sich ĂŒber 24 Stunden von allem Ungemach fern und sicherten sich am Ende den dritten Rang. Nur knapp dahinter: die Iron Dames. Rahel Frey aus der Schweiz, die Belgierin Sarah Bovy und Michelle Gatting aus DĂ€nemark stellten damit einen 91 Jahre alten Rekord ein. Damals war die Französin Odette Siko ebenfalls auf Platz vier in Le Mans gefahren. Der „Rexy“ genannte 911 RSR von Project 1 – AO fiel in den letzten zwei Rennstunden vom ersten auf den siebten Rang zurĂŒck. Die GT-Fahrzeuge nach GTE-Reglement werden ab 2024 von GT3-Autos abgelöst. Der siegreiche 911 RSR ist dann nicht mehr startberechtigt. Der neue Porsche 911 GT3 R steht bereits in den Startlöchern.

Racing for Charity: Porsche-Werksautos fahren 549.750 Euro Spenden ein
AnlĂ€sslich des 75. Geburtstages von Porsche Sportwagen initiierte der Hersteller eine große Spendenaktion. Im Rahmen von „Racing for Charity“ kamen wĂ€hrend des 24-Stunden-Rennens insgesamt 549.750 Euro zusammen – fĂŒr jede der 733 gefahrenen Runden der drei Porsche 963 des Werksteams wanderten 750 Euro in den Spendentopf. Die Gesamtsumme wird in den kommenden Wochen den drei gemeinnĂŒtzigen Hilfsorganisationen Kinderherzen Retten e.V., Interplast Germany e.V. und Ferry-Porsche-Stiftung zur VerfĂŒgung gestellt. Mit dem Geld werden unter anderem dringende Operationen von Kindern aus Krisen- und Entwicklungsgebieten finanziert. Der Automobile Club de l’Ouest als Veranstalter der 24 Stunden von Le Mans hatte die Initiative „Racing for Charity“am Freitag vor dem Start mit dem „Sustainable Endurance Award“ ausgezeichnet.

Fahrerstimmen nach dem Rennen
FrĂ©dĂ©ric Makowiecki (Porsche 963 #5): â€žEs war eine sehr schwierige Veranstaltung fĂŒr uns, dennoch sind wir stolz. Wir wussten, dass wir bezĂŒglich der Performance nicht ganz an der Spitze fahren wĂŒrden. Dennoch konnten wir die Konkurrenz phasenweise richtig Ă€rgern. Es ist recht deutlich, an welchen Stellen wir uns noch verbessern mĂŒssen, um eine echte Siegchance in Le Mans 2024 zu bekommen. Wir wollen nicht lĂ€nger der Herausforderer sein, sondern der Gejagte.“

KĂ©vin Estre (Porsche 963 #6): â€žĂœber 24 Stunden wurden wir immer wieder von Pech getroffen. Nach drei Stunden ein Reifenschaden, der uns eine ganze Runde gekostet hat. Anschließend haben wir volle Attacke gemacht, um wieder heranzukommen – dabei bin ich jedoch in den Kies und in die Streckenbegrenzung gerutscht. Die Reparatur dauerte ziemlich lange, damit war das Rennen fĂŒr uns gelaufen. Wir haben viel gelernt. Unser Auto war schnell, das ist die gute Nachricht. Ich bin stolz auf unsere Mannschaft.“

Michael Wainwright (Porsche 911 RSR #86): â€žIch freue mich natĂŒrlich fĂŒr mich persönlich, aber fĂŒr unser Team noch umso mehr. Seit acht Jahren haben wir auf ein solches Ergebnis hingearbeitet – ausgerechnet beim 100. Geburtstag der 24 Stunden von Le Mans hat es geklappt. Es hat viel Spaß gemacht, wenngleich es aufgrund der vielen ZwischenfĂ€lle ziemlich wild zuging. Jetzt wird ein wenig gefeiert.“

Rahel Frey (Porsche 911 RSR #85): â€žDas Rennen lief super, wir haben uns sehr wenige Fehler geleistet. Sowohl auf als auch neben der Strecke haben alle im Team einen perfekten Job abgeliefert. Die Crew war bĂ€renstark und stand zu hundert Prozent hinter uns. Leider hatten wir am Ende nicht das notwendige Tempo, um einen Podestplatz zu halten. Am Ende ging uns die Bremse aus. Vielleicht haben wir zu viel gebremst und zu wenig Gas gegeben. Wir hĂ€tten mehr verdient gehabt.“

Ergebnisse 24 Stunden von Le Mans 2023

Hypercar-Klasse:
1. Pier Guidi/Calado/Giovinazzi (I/UK/I), Ferrari #51, 342 Runden
2. Buemi/Hartley/Hirakawa (CH/NZ/J), Toyota #8, 342 Runden
3. Bamber/Lynn/Westbrook (NZ/UK/UK), Cadillac #2, 341 Runden
9. Cameron/Christensen/Makowiecki (USA/DK/F), Porsche 963 #5, 329 Runden
11. Estre/Lotterer/Vanthoor (F/D/B), Porsche 963 #6, 320 Runden
13. FĂ©lix da Costa/Stevens/Ye (P/UK/CHN), Porsche 963 #38
DNF. Jaminet/Nasr/Tandy (F/BR/UK), Porsche 963 #75, 84 Runden

GTE-Am-Klasse:
1. Catsburg/Keating/Varrone (NL/USA/ARG), Corvette #33, 313 Runden
2. Al Harthy/Dinan/Eastwood (OMN/USA/IRL), Aston Martin #25, 312 Runden
3. Barker/Pera/Wainwright (UK/I/UK), Porsche 911 RSR #86, 312 Runden
4. Bovy/Frey/Gatting (B/CH/DK), Porsche 911 RSR #85, 312 Runden
7. Cairoli/Hyett/Jeannette (I/USA/USA), Porsche 911 RSR #56, 309 Runden
DNF. Fassbender/Rump/Lietz (IRL/EST/A), Porsche 911 RSR #911, 246 Runden
DNF. Ried/Tincknell/Yount (D/UK/USA), Porsche 911 RSR #88, 170 Runden
DNF. Andlauer/Pedersen/Ried (F/DK/D), Porsche 911 RSR #77, 118 Runden
DNF. Hardwick/Heylen/Robichon (USA/B/CDN), Porsche 911 RSR #16, 28 Runden
DNF. Cressoni/Picariello/Schiavoni (I/B/I), Porsche 911 RSR #60, 28 Runden

Foto: Porsche 963, Porsche Penske Motorsport (#5), Dane Cameron (USA), Michael Christensen (DK), Frederic Makowiecki (F) (c) Porsche AG